Lernen, ohne es zu merken?
Das geht. Zum Beispiel im Rahmen eines Auslands-Aufenthalts, mit einer praxisbezogenen „Schülerfirma". Für „bildungsbürgerliche" Jugendliche z.B. in Gymnasien gehört so etwas zum Standard, aber noch lange nicht bei jenen, die speziell gefordert und gefördert werden sollen - für Haupt-/Werkreal-/Real- und Förderschüler.

Die Ausnahmen bisher: Bildungs- und Workcamps, FAIROPA, für Schüler/-innen der Waldparkschule in Heidelberg und von zwei Förderschulen in Sinsheim und Neckargemünd. Am Projekt nahmen vor allem Jugendliche aus sozial schwachen Familien teil, die teilweise auch eine zusätzliche Beeinträchtigungen haben.

Oktober 2014:
knapp 3 Wochen lang verbrachten Schüler/-innen in Sizilien und in der Türkei (Dösemealti). Sie lernten gleichaltrige sizilianische und türkische Schüler/-innen kennen, ihren Alltag, ihre Gewohnheiten. Sie lernten und arbeiteten in vier interkulturellen Workshops zusammen. Sie erkundeten die lokale Landwirtschaft und arbeiteten bei der Oliven – und Granatapfelernte mit, sie entdeckten die daraus entstehenden Produkte, indem sie selbst bei der Herstellung mitanpackten. Ein deutsch- türkisch-italienischer Kochkurs unter Profianleitung brachte den Jugendlichen Kulturelles auf den Teller und wird nun in ein eigenes Kochbuch münden, das gemeinsam unter der Anleitung der Mannheimer Gastronomin Hülya Kazar (Café im Juli) entsteht. Sie leitete den Kochworkshop in der Türkei an und war begeistert „ Ich unterstütze dieses Projekt, weil ich fest daran glaube, dass man nichts besser lernt, als durch eigenes Tun. Das Projekt war eine hervorragend Möglichkeit meine Koch-Leidenschaft an die Schüler/-innen weiterzugeben, mit ihnen auf eine kulinarische Reise zu gehen. Wir sind alle weit gekommen." In Sizilien war Giuseppa Tortorici für den Kochkurs verantwortlich.

Jede Reise hinterlässt Spuren und so wollten die Jugendlichen auch vor Ort etwas hinterlassen. Zusammen und unter Fachanleitung eines Profischreiners der Werkstatt – Spielart eG Heidelberg (www.werkstatt-spielart.de...) entstand ein Klangobjekt im Schulhof der türkischen Partnerschule, welches in einer feierlichen Einweihung auch
gleich in Schwingung gebracht wurde.

Alle Aktivitäten und Workshops beider FAIROPA – Reisen wurden in interkulturellen Teams und mehrsprachig durchgeführt.

FAIROPA war der Start zu einem kleinen europäischen Netzwerk mit Projekten der Jugendbegegnung: Teilnehmer/innen aus verschiedenen Ländern kommen zusammen, die schon eine Schülerfirma gegründet haben oder eine solche planen. Schülerfirma - das ist ein pädagogisches Schulprojekt, aber funktioniert wie ein reales
Unternehmen: es beginnt mit Produktideen und Dienstleistungsangeboten. Wirtschaftlichkeit, Bedarf am Markt, Organisation, Struktur und Produktivität müssen analysiert und gewährleistet werden. So nützt etwa der Ankauf von Orangen aus Sizilien gar nicht, wenn es kein Vermarktungskonzept gibt. Für das Gelingen ihres „Unternehmens" tragen alle gemeinsam die Verantwortung.

Ziel ist es junge Menschen, die Schwierigkeiten im kognitiven Lernen haben zu ermutigen und zu motivieren, ihre Ziele durch praktische Tätigkeiten zu erreichen, ihr Wissen zu vervollständigen und Talente zu entwickeln.

Die Projekte wurde gefördert durch:

jugend in aktion